Laien Lab

Das Laien Lab am Miller’s ist ein einzigartiges Vernetzungsprojekt in Zürichs Theaterlandschaft – für Laien und Profis, Stadt und Kanton, Alltags- und Hochkultur. Miller‘s Laien Lab gibt dem Engagement und Herzblut, das in die Laientheatergruppen im ganzen Kanton fliesst, eine eigene Plattform.

Das Laien Lab geht jedes Jahr eine Kooperation mit vier Laientheatergruppen ein. Die Gruppen werden im Probenprozess durch verschiedene Workshop-Inputs mit professionellen Theaterschaffenden begleitet. Sie produzieren aber nach wie vor selbstständig und bleiben in ihren künstlerischen Entscheidungen autonom. So entstehen vier Theaterprojekte, die sowohl in den Gemeinden der Gruppen als auch am Laien Lab Festival am Miller’s gezeigt werden.

Das Laien Lab ist ein Labor: Es lädt zum Experimentieren ein, ermutigt die teilnehmenden Gruppen dazu, Neues zu wagen, und öffnet unbekannte Denk- und Spielräume. Durch die Vernetzung mit anderen Theatergruppen und professionellen Theaterschaffenden trägt es zur Sichtbarkeit einer vielfältigen Laientheaterszene bei. 

Siehe auch: www.facebook.com/MillersLaienLab/

Laien Lab 2018/2019

Das dritte Laien Lab ist gestartet! Mit dabei sind die Gruppen Aftertheaterhour aus Urdorf, Cooltour aus Hausen am Albis, Cie.Echolot aus Zürich und Szenario aus Schaffhausen. Die vier Gruppen entwickeln je ein eigenes Stück, das sie sowohl in ihren Gemeinden als auch am Laien Lab Festival am 11. und 12. Mai 2019 am Miller's zeigen. 

Das Themenspektrum ist breit, die Interessen und Herangehensweisen der Gruppen vielfältig:

Wie wird das Abwesende auf der Bühne präsent? Welche Darstellungsformen gibt es für Ungesagtes und Unsagbares? Wo liegt das Potenzial einer Komödie aus dem 17. Jahrhundert und wie arbeitet man mit so einem alten Text überhaupt? Wie kann sich eine junge Frau in einer maskulinen Welt durchsetzen, 1929 und heute? Wie werden wir zu Überflieger*innen? Und wo liegen die Grenzen der menschlichen Existenz und die des Theaters?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich die vier Gruppen in ihren Probenprozessen. Unterstützt werden sie dabei von einem breitgefächerten Team professioneller Theaterschaffender: Doro Mildenberger, Lena Conrad, Irene Eichenberger und Maja Brönnimann bieten den Gruppen Workshop-Inputs von Tanz bis Text.

Am Wochenende des 11. und 12. Mais ging das Laien Lab Festival 2019 über die Bühne des Miller's. Vier starke Produktionen zeigten die Vielfalt der Laientheaterszene. Wir danken den Gruppen Aftertheaterhour, Cie. Echolot, Cooltour und Szenario Schaffhausen für ihr Engagement und gratulieren zu ihren Produktionen. 

Mit den charmanten Stückeinführungen, welche die Künstlerinnen mit ihren Gruppen entwickelten, wurde auch während dem Festival das Ausprobieren weiterverfolgt. An dieser Stelle auch ein grosses Dankeschön an Irene Eichenberger, Luzia Schelling, Doro Mildenberger und Maja Brönnimann. 

Neben den Aufführungen sorgte der Bus von „Cartouche“ für eine gemütliche Festivalathmosphäre und gab Raum zum Verweilen und Rückmeldung zu den Stücken zu geben.  Herzlichen Dank an Luc Gross von „Cartouche“ und Cornelia Zierhofer welche das szenografische Konzept und die Umsetzung realisierte. 

Das Laien Lab Team bedankt sich auch beim Miller’s Team und allen Gästen fürs Mitmachen und Dabeisein. Nur mit euch konnte dieses wunderbare Festival stattfinden! Vielen Dank!!

Starttag

Im November 2018 startete das dritte Laien Lab mit einem gemeinsamen Projekttag.

Vier Laientheatergruppen reisten dafür ins Miller’s: Aftertheaterhour aus Urdorf, Cooltour aus Hausen am Albis, Cie.Echolot aus Zürich und Szenario aus Schaffhausen. Im Mittelpunkt des ersten Treffens stand das gegenseitige Kennenlernen, um einen Grundstein für die weitere Zusammenarbeit zu legen. Dafür wurden die Gruppen untereinander durchmischt und nahmen in neu zusammengewürfelten Teams an drei Workshops teil, die von professionellen Theaterschaffenden geleitet wurden.

Bei Noëmi Franchini entwickelten die Teilnehmer*innen, inspiriert durch eine gedankliche Zeitreise ins Mittelalter, innert Kürze eine Figur, mit der sie anschliessend szenisch improvisierten. Carine Capinga Grab zeigte den Gruppen praktisches Handwerk, mit dem sie auf einfache Weise auch selbst choreografisches Material entwickeln können. Und bei Carla Szolansky tauchten die Teilnehmer*innen in eine Atmosphäre der Stille ein und konnten eine Theaterprobe ganz ohne gesprochene Sprache erleben.

Über den Tag entwickelte sich so rasch ein gegenseitiges Vertrauen und eine lockere Stimmung, so dass sich alle Teilnehmer*innen darauf einliessen Neues zu wagen und auszuprobieren. Nach all den vielfältigen Eindrücken überfiel den einen oder anderen beim gemeinsamen Abendessen die Müdigkeit. Wer aber an dem Tag noch nicht genug Theater hatte, dem/der standen die Türen des Miller’s offen, um den Abend noch mit einem Vorstellungsbesuch des Elfenbeinkonzertes von Rainald Grebe ausklingen zu lassen. 

Heimspieltag

Gruppe durchgezählt, Lunchpaket gefasst, und los geht’s. Vier Theatergruppen und vier Künstlerinnen zusammen unterwegs in einem Car für einen Tag. Der Reiseplan: Von Zürich nach Hausen am Albis, weiter nach Schaffhausen, und wieder zurück nach Zürich. Das Ziel: Einen Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Probestände der Gruppen zu bekommen, und sie gemeinsam denkend weiterzuentwickeln.
Erste Station war der Proberaum an der Pädagogischen Hochschule in Zürich. Die Gruppe Aftertheaterhour nutzte die rund vierzig Zuschauer*innen, um mit Raum, Licht und Publikumsanordnungen zu experimentieren. Zurück Im Car leitete Performancekünstlerin Dorothea Mildenberger das erste Feedbackgespräch, in dem das Publikum seine Eindrücke über das Erlebte austauschte.
Beim nächsten Stopp in Hausen Am Albis erhielt die Reisegemeinschaft von der Gruppe Cooltour eine Kostprobe des Stückes „Absurda Comica oder Herr Peter Squentz “, einer Komödie aus dem 17. Jahrhundert. Die Spieler*innen näherten sich dem Text und den Figuren durch unterschiedliche, menschliche bis tierische Körperlichkeiten. Wieder im Bus führte diese Probemethode zu regen Gesprächen mit der Regisseurin Noëmi Franchini und ihrer Truppe, wie mit dem Gesehenen weitergearbeitet werden könnte.
In Schaffhausen hiess Szenario das Laien Lab im „Fass“ willkommen und lud das Publikum dazu ein, mit ihnen eine Flugzeug-Notlandung zu proben. Dabei kamen die unterschiedlichsten inszenatorischen Vorlieben zum Vorschein, von abstrakt bis naturalistisch, von übertrieben bis minimalistisch.Nach einigen Bremsmanövern mit dem Flugzeug kehrten man doch zum Reisecar zurück, dem bewährten und liebgewonnen Fortbewegungsmittel an diesem Tag, und machte sich auf den Heimweg. Spätestens bei diesem Feedbackgespräch mit Tänzerin und Choreografin Maja Brönnimann merkte man, dass die Reisegemeinschaft nun zu einer Arbeitsgruppe geworden war. Trotz der durch Motorengeräusche erschwerten Akustik wurde diskutiert, in welche Richtungen Szenario noch fliegen könnte, und wo in der Weiterentwicklung eher Höhenflüge und wo eher Bruchlandungen zu erwarten seien.  
Wieder in Zürich eingetroffen, sammelte sich das Laien Lab zum letzen Probe-Einblick im heimeligen Dachstock eines Altstadthauses im Niederdorf. Cie. Echolot zeigte an drei Beispielen, wie sie proben und wie sie Material für ihre Stückentwicklung generieren. In der letzten Gesprächsrunde mit dem Künstler*innenduo Irene Eichenberger und Luzia Schelling zeigte sich ein grosses Interesse an der spezifischen Arbeitsweise, die die Palette an ganz unterschiedlichen Probemethoden und -zugängen für diesen Tag abrundete. 
Zurück bleibt ein nostalgisches Schulreise-Feeling und viel Neugier und Vorfreude auf die fertigen Stücke, die am 11. Und 12. Mai im Miller’s gezeigt werden.

Die Gruppen

Aftertheaterhour OFF/ON - EIN STÜCK ABWESENHEIT

Es könnte alles zu Ende gehen. Doch es passiert nichts. Man ist da, inmitten der Dinge, die nicht mehr da sind und doch passiert einfach nichts. Auch ein Blick in die Abwesenheit trügt, denn dort angelangt, drückt dem entfernten Selbst kahle Anwesenheit entgegen. Vielleicht hilft die Abwesenheit eines Gegenübers, die Beklemmung der Abhängigkeit wieder zu erlangen. Hat das Zu-Ende-gehenmöglicherweise dann eine Perspektive?

 

Nach der Lektüre von Becketts "Endspiel» machen wir uns auf die Suche nach der Intensivierung des Bühnengeschehens und loten die Möglichkeiten des Theaters aus. Unser Vorstellungshorizont bleibt breit: Unser Interesse reicht von hybriden Figuren mit verschwommenen Rollenidentitäten, neuarrangierten Texten, über verfremdete Requisiten bis hin zu performativen Grenzüberschreitungen im Tanz und Ritual.

 

Perfomance: Julian Buslinger, Bianca Dörig, Martha Mutapay, Hannes Obrist, Linda Scherer, Kirill Tscheluchin 

Regie und Konzept: Kirill Tscheluchin 

Bühne: Eva Chen 

Installation & Technik: Claudio Reinolter, Jonas Studach

Cooltour Absurda Comica oder Herr Peter Squentz

Peter Squentz, selbsternannter Genius, will der Königin mit Hilfe einiger Handwerker ein Theaterstück vorspielen, um Ehre und Ruhm zu erhalten. Für die Handlung leiht er sich Ovids Liebestragödie von Piramus und Thisbe. 

 

Der Text des deutschen Dichters Andreas Gryphius (1658) ist die Grundlage zu unserem Stück. Die Schauspielenden erarbeiten ihre Rollen mit Unterstützung und Anleitung durch die Regisseurin Noëmi Franchini. Die Auseinandersetzung mit dem alten Text ist ein Schwerpunkt des Projektes. Wir sehen darin viel Gestaltungspotenzial, welches wir ausschöpfen wollen. Unser Credo ist es, die Freude am Theater in all seinen Facetten umzusetzen und uns auf unbekanntes Terrain vorzuwagen.

 

Spiel: Felix Kiser, Raffaele Cavallaro, Nik Stahlberger, Ingo Mroczek, Christina Kiljanski, Kathia, Andrea Vavra, Rota, Margrit Gut, Timo Fröhli, Annik Sutter, Vreni Urech 

Regie: Noëmi Franchini

Regieassistenz: Goggo Zweifel

Kostüme: Natalie Péclard

www.theatercooltour.ch

 

 

 

Cie. Echolot PROJEKT STILLE

STILLE ist nach "Es wird einmal gewesen sein" (2018) und "Mütter" (2017) die dritte Produktion der Cie. Echolot. Jedes Jahr erarbeitet die Kompanie ein neu gewähltes Thema und kreiert im gemeinsamen Schaffensprozess ein eigenes Stück. Die Produktionen der Cie. Echolot sind immer Ensembleprojekte, die aus einer Gemeinschaft herauswachsen.

Dieses Jahr widmet sich die Kompanie dem Themenfeld der Stille. Welchen Platz hat die Stille in unserem Leben? Ist sie mehr als die Abwesenheit von Lärm? Acht Menschen machen sich auf die Suche nach der verlorenen Stille. Sie bewegen sich zwischen dem Unausgesprochenem, dem Abwesenden dem Unsagbaren — und versuchen so zu begreifen, wie Leerstellen einen ganzen Raum füllen können. 

Das Stück STILLE ist der Versuch, Unsichtbares sichtbar zu machen.

 

Spiel: Yann Bartal, Sandra Brand, Jael Gebs, Giulia Haller, Pascal Herren, Stefan Kaeser, Martina Lüscher, Samuel Prenner 

Musik: Luca Magni, SzenografieCornelia Zierhofer, 

Licht und Ton: Stefan Geiger 

Regie: Judith Rehmann, Ariane Rippstein, 

Stück: Ariane Rippstein

www.cie-echolot.com

Szenario Ninety Nines

USA 1929, Weltwirtschaftskrise.
Ein knatterndes Kleinflugzeug fliegt steil dem Boden entgegen und kommt qualmend auf einem brachen Acker zum Stehen. Die Bauerntochter Mary schaut mit offenem Mund zu, wie eine junge Frau aus dem Blechvogel steigt.

Es ist Amelia Earhart. Pilotin, Frauenrechtlerin, Pionierin. Mitgründerin der «Ninety Nines» einer Pilotinnenvereinigung, die sich für die Gleichstellung von Mann und Frau in der Luftfahrt einsetzt.
Inspiriert von der Überfliegerin Earhart, will Mary aus ihrem perspektivlosen Leben ausbrechen und ebenfalls aufsteigen. Bis weit über die Wolken.

Doch wie kann sich eine junge Frau in einer maskulinen Welt durchsetzen? In einer Welt in der Flugrennen von Frauen nur als «Puderquastenrennen» belächelt werden?
«Ninety Nines» ist ein Stück über klassische und unklassische Frauenbilder. Ein Thema, dass 2019 noch immer so aktuell sein wird wie 1929.

 

Spiel: Lia Budowski, Lisa Brühlmann, Anamarija Custic, Simone Messerli, Mirjam SinaSchlatter, Michelle Schlick, Yannik Schneider, Mirella Weber 

Musik: Marie-Louise Schneider, Iris Schnurrenberger 

Regie: Manuela De Ventura, Xenia Ritzmann 

Autorin: Fanny Nussbaumer 

Leitung/Technik: Noah Valley 

Bühne: Aline Sophie Kihm 

Kostüme: Jeanne-Vera Bourguignon

 

www.szenario-schaffhausen.ch

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